Ergebnis

Next-Level-Bebauungsplan

Dynamisches Werkzeug für die Unternehmen der Zukunft

In digitalisierten Unternehmen spielt die Enterprise Architecture eine deutlich stärkere Rolle als Innovationsbegleiter und Ratgeber. Um dieser neuen Rolle gerecht zu werden, braucht sie neue Instrumente. Der hier vorgestellte Next-Level-Bebauungsplan ist ein solches dynamisches und kollaboratives Instrument, das sich Stakeholdern im Business genauso anbietet wie in der Enterprise IT. 

Er stellt ein konzeptionelles Abbild des gesamten Unternehmenskontextes dar, beinhaltet also deutlich mehr als die IT. Er beschreibt die essenziellen Zusammenhänge zwischen Business, Organisation, IT und Daten.

„Im Next-Level-Bebauungsplan geht es darum, allen beteiligten Stakeholdern – zum Beispiel dem CIO, der CEO oder der Portfolio-Managerin – eine gemeinsame Wissens- und Informationsplattform anzubieten, die ihre jeweilige Perspektive widerspiegelt und die sie verstehen können“, 

erklärt Joachim Schmider, Leiter des Workstreams Next-Level-Bebauungsplan und Head of Enterprise Architecture beim Automobilzulieferkonzern Schaeffler AG. 

Zur Verdeutlichung nutzt Schmider als Analogie die Architekturzeichnung eines Wohnhauses: Der Maurer schaut auf den Plan, um zu wissen, welche Mauern er wo setzen muss, der Elektriker will wissen, wo die Leerrohre für die Kabel verlaufen und der Bauherr schaut auf den Plan, um festzulegen, welche Räume er wie am besten nutzen kann. 

„Aber alle schauen auf den gleichen Plan, beziehungsweise auf einen bestimmten Ausschnitt des gleichen Plans“, betont Schmider. 

So genutzt ist ein Bebauungsplan nichts Isoliertes und nichts Statisches mehr. Wenn die verschiedenen Stakeholder aus Business und IT ihre Expertise einbringen, wird er kollaborativ und dynamisch. Das heißt, er kann verschiedene Mehrwerte für unterschiedliche Stakeholder liefern und Beiträge leisten zu:

Es geht darum, allen beteiligten Stakeholdern eine gemeinsame Wissens- und Informationsplattform anzubieten, die ihre jeweilige Perspektive widerspiegelt und die sie verstehen können.
Joachim Schmider,
Workstreamleiter
  • Management von Komplexität – indem er die verschiedenen Bausteine des „konzeptionellen Abbilds des Unternehmens“ miteinander in Verbindung bringt und somit Wirkweisen und Abhängigkeiten verdeutlicht. 
  • Harmonisierung und Optimierung – indem er Abhängigkeiten aufzeigt zwischen Organisation, Prozessen, IT und Daten, die zu faktenbasierten Argumenten und Entscheidungen führen.
  • Agilem Betriebsmodell & Kultur – indem er cross-funktionale Zusammenarbeit fördert und die Kommunikation zwischen Business und IT verbessert, macht er EA zum Bestandteil praktisch jeder Geschäftsdiskussion.
  • Beschleunigung der Digitalen Transformation – indem er Veränderungen und ihre Konsequenzen zeigt, fördert er die Kreation neuer digitaler Fähigkeiten und etabliert daten- bzw. datenmodell-basiertes Denken.
  • Kosten- und Wertoptimierung – indem er die Transparenz und Entwicklungsgeschwindigkeit erhöht, reduziert er prozessuale und technische Schulden sowie Komplexität und erhöht gleichzeitig den erzielten Wertbeitrag. 
  • Risikominimierung – indem er eine Faktenbasis über Zusammenhänge und Wirkweisen schafft, hilft er, die richtigen Änderungen zu priorisieren und z. B. Sicherheits- und Compliance-Aspekte von der Konzeption her zu denken und frühzeitig zu berücksichtigen. Durch die zusätzliche Transparenz und eine breitere cross-funktionale Nutzung ermöglicht er proaktive Veränderungen für größere Business-Flexibilität. 

Voraussetzung, um die genannten Mehrwerte zu heben, ist neben Fortschritten in der Visualisierungstechnologie ein neues EA-Meta-Modell, das die Elemente Process, Business Capability, Business Objects, Strategy und Application beinhaltet und das laut Workstream durch folgende Eigenschaften gekennzeichnet sein soll: 

  • Integriert – Verbindung aller EA-Datenobjekte aus ihren Quellen (PPM, CMDB, SAM, ERP…);
  • Datenzentrisch – Business-Daten (Objekte) sind ein zentrales Element des EA-Meta-Modells und die EA-Modelle nutzen verfügbare operative Daten, wo immer es geht.
  • Kontextsensibel – Die Sichten auf den Bebauungsplan sind zielgruppenorientiert und basieren auf den Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppe.
  • Zugänglich – Barrierefreier Zugang zu EA-Informationen für alle interessierten Stakeholder,  am besten mittels Self Service. Jeder kann das EA-Wissen konsumieren, aber auch dazu beitragen.
  • Dynamisch – Der Bebauungsplan reflektiert Veränderungen und Abhängigkeiten. Außerdem können zukünftige Zielzustände kontextabhängig simuliert werden.
  • Intelligent – Die Entwicklung des Bebauungsplans wird unterstützt mit Empfehlungen, Voraussagen und kontextabhängigen Sichten, die durch neue IT Capabilities (AI, Graph, Visualisierung etc.) ermöglicht werden.

Um den Next-Level-Bebauungsplan umsetzen zu können, müssen Enterprise Architecture als Ganzes, aber auch das Artefakt Bebauungsplan weitere Fähigkeiten entwickeln. So sollte EA nach Auffassung des Workstreams nicht nur in der operativen IT, sondern auch als strategisches und cross-funktionales Planungs- und Managementwerkzeug genutzt werden. 

Dazu benötigen Next-Level-Bebauungspläne erweiterte Werkzeuge, die zum Beispiel EA-Daten in Persona-Perspektiven aufbereiten können, operative Daten in die EA-Modelle integrieren, Simulationen erlauben oder durch die Nutzung von AI die EA-Modelle einfacher und automatisierter erweitern.

Schmider räumt ein, dass durchaus noch ein Stück Weg zurückgelegt werden muss, bis Unternehmen die Ideen und Konzepte des „Next-Level-Bebauungsplans“ umgesetzt haben und aktiv nutzen. Der Start ist dabei gemacht und „mit der von uns gelieferten genauen Beschreibung des Ziels, des strategischen Mehrwertes und der dazugehörigen Roadmap sind wir ein großes Stück vorangekommen“.

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