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BONN – 09. November 2018

Mit EAM dem digitalen Veränderungsdruck begegnen

IT und Business müssen enger zusammenwachsen, denn IT ist Business. Moderne Enterprise Architektur befeuert diese Entwicklung. Auf der vom Cross-Business-Architecture Lab zusammen mit inside Business veranstalteten Konferenz „EAM – Richtungsgeber für die Digitale Transformation“ in Berlin stellten Enterprise-Architekten und CIOs aus Unternehmen verschiedener Branchen ihre Strategien und Vorhaben vor. Alle Teilnehmer waren sich einig: Die gemeinsamen Themen lauten Datenanalyse, Cloud, agile Arbeitsweisen und die schnelle Reaktion auf Veränderungen.

Auf die Daten kommt es an. Denn: „IoT treibt das Datenangebot, KI treibt die Datennachfrage. Wenn Daten der neue Rohstoff sind – dann gelten auch alle Dimensionen aus der Rohstoffverarbeitung: Wir müssen sie schürfen, wir können sie handeln und wir veredeln sie“, erklärte Dr. Karsten Schweichhart, Data Economy Executive der Deutschen Telekom AG und Vorstand im CBA Lab, in seinem Eröffnungsvortrag.  Das seien die Aktivitäten, die derzeit von der IT umgesetzt werden müssen, um die Digitale Transformation zu meistern.

Für die Arbeit der Enterprise-Architekten bedeutet dies: Sie dürfen sich nicht länger nur auf Technologie und Governance beschränken, sondern müssen proaktiv eine zukunftsorientierte Unternehmensarchitektur zur bestmöglichen Unterstützung der kurz- und langfristigen Unternehmensziele aufbauen. Die dafür nötigen Daten liefert EAM. Und damit kann sich der Enterprise-Architekt auch bei Themen wie Datenarchitektur, Datenauswertung, Agilität und Geschäftsoptimierung positionieren. Gemeinsam mit dem Business lassen sich so neue Technologien und daraus resultierende neue potenzielle Geschäftsfelder eruieren. EAM wird zum Mindset und zur Toolbox für die Digitale Transformation.

Allerdings sind längst nicht alle Branchen gleich weit.  „Die unterschiedlichen Branchen lassen sich mit Bomben vergleichen, die mit unterschiedlich langen Zündschnüren ausgestattet sind. Bei einigen hat die Digitale Transformation schon gezündet, bei anderen dauert es noch. Sicher ist, dass alle zünden müssen“, sagte Matthias Kohl, Leiter der Digitalen Fabrik DAK-Gesundheit.

Daten sind überall

Gezündet hat es bereits am Münchner Flughafen. „Wir sind quasi eine kleine Stadt mit angeschlossenem Flugverkehr. Hier EAM zu betreiben und darzustellen, wie die Systeme zusammenhängen, ist eine echte Herausforderung – aber Digitalisierung geht nicht ohne“, sagte Michael Zaddach, CIO der Flughafen München GmbH, in seiner Keynote. Denn Automatisierung im EAM, die zeige, wo welche Daten liegen und wie sie miteinander kommunizieren, funktioniere aufgrund der Komplexität der Systeme und der einzuhaltenden Kritis-Standards nur bedingt. Hier helfe nur Transparenz und Diszipin in Sachen Dokumentation der Systemlandschaft und der Prozesse, die davon jeweils unterstützt werden.

Sein Fazit: „Mit EAM können wir heute dem massiven Veränderungsdruck begegnen.“ Denn der Verkehr steigt, IoT spielt eine immer größere Rolle, die B2B-Anbindungen nehmen zu, und auch die Passagiere setzen moderne Kommunikationslösungen und Apps voraus. „Wir müssen agieren, sonst werden wir überrannt“, so Zaddach. Heute sei man in der Lage, neue Dienstleistungen zu bieten, Prozesse effizienter zu machen, Sicherheit zu gewährleisten und die Kritis-Anforderungen zu erfüllen. Die Technologie sei da, „doch es ist nicht immer leicht, alle an den diversen Projekten Beteiligten an einen Tisch und unter einen Hut zu bringen."

Und der Traum des CFO, dass die Kosten sinken, werde sich dabei nicht erfüllen. „Die Kosten werden steigen, das geht gar nicht anders. Auch er hat einen Traum: „Ein Digitaler Zwilling des Flughafens, bei dem sich per Schieberegler darstellen lässt, was passieren würde, wenn Dies oder Jenes eintritt und wie muss ich darauf regieren“.

 

Bei EAM alles falsch machen – und plötzlich funktioniert´s

Ein Vorzeigebeispiel in Sachen Digitale Transformation lieferte auch der Versandhandelsriese OTTO. Sein Treiber: Dem Wettbewerbsdruck – vor allem durch Amazon – zu widerstehen.  

Mit EAM könne Technologie nicht nur dazu genutzt werden, ein besserer Händler zu werden, sondern auch, um das Geschäftsmodell zu verändern. OTTO baue deshalb sein reines Händlergeschäft zu einem Plattformgeschäft um. „Das ist ein ganz anderes Geschäftsmodell und dadurch hat sich das, was wir bisher unter guter IT und Architektur verstanden haben, komplett verändert.“ Jetzt gehe es um Geschwindigkeit der Veränderung: „Wir können in unserem Markt nicht gewinnen, wenn wir effizient sind. Wir können nur gewinnen, wenn wir uns schnell verändern.“

Das Mindset von Greutmann: „Wir arbeiten nicht mehr in großen festen Plänen, sondern eher in einem Skizzenmodus – wie das auch Bauarchitekten manchmal tun, um zu klären, was gebraucht wird.“ Heute verfolge man einen inkrementellen Bottom-up-Ansatz. Bestimmte Teams bearbeiten bestimmte Themen – und die Architekten bewegen sich stets auf Augenhöhe mit diesen Teams und stellen die Vernetzung sicher. Greutmann nennt ein Beispiel: „Beim Thema Plattformentwicklung gab es fünf oder sechs Iterationen oder Skizzen, um gemeinsam mit den Teams ein Bild zu zeichnen, das zeigt, was das Thema Plattform für unsere Technologie bedeutet.“

Allerdings seien nicht alle Ansätze der traditionellen Architektur verschwunden. „Die gesamte Landschaft auch in ihren Verästelungen und Schnittstellen genau zu kennen und zu wissen, wie sich die einzelnen Elemente zueinander verhalten, hilft uns immer wieder.“ Bei großen übergreifenden Themen wie der EU-Datenschutzgrundverordnung sei es einfach wichtig zu wissen, wie viele und an welchen Stellen sich datenschutzrelevante Geschäftsobjekte befinden.

Machen ist wie Wollen, nur krasser

Seit vier Jahren setzt die DAK auf Enterprise Architecture Management. Ausschlaggebend war die zunehmende Komplexität – ausgelöst durch Fusionen und die Digitale Transformation. Mit EAM will die Krankenkasse nun auch verstärkt der Erwartungshaltung der Kunden gerecht werden – im Hinblick auf Mobilität, zeitliche Unabhängigkeit, Service, Transparenz und Nachvollziehbarkeit.  „Kunden sind mobil, wollen zeitlich unabhängig sein, erwarten starke Serviceorientierung, Transparenz, Nachvollziehbarkeit und hohe Flexibilität. Kunden erwarten digitale Angebote, von der Online-Geschäftsstelle bis hin zu Apps“, erklärte Matthias Kohl, Leiter Digitale Fabrik bei der Krankenkasse in seinem Vortrag „Machen ist wie Wollen – nur krasser.“ Aber auch interne Prozesse sollen digital weiter vorangebracht, verschlankt und noch schneller werden.

Allerdings setze dies gewachsene IT-Abteilungen unter Druck. Hier seien neue Arbeitsformen und agiles Arbeiten nötig. Sein Mindset: „Wir haben ein Schiff, nun müssen wir die Mitarbeiter bewegt bekommen.“ Agilität, so wenig Hierarchie wie möglich und kollaborative Plattformen sind für Kohl Motoren und liefern Motivation. Denn man dürfe „ein Speedboat nicht mit dem Tanker vertäuen, wenn es Geschwindigkeit aufnehmen soll.“

„EAM schafft für uns die notwendige Transparenz zur Entscheidungsunterstützung und Fortschrittskontrolle im Rahmen der Digitalen Transformation“.  Dabei könne jedoch nicht alles aus vorhandenen Daten extrahiert werden, Experten-Einschätzungen bleiben weiter notwendig.

Altsystem on premise trifft auf Cloud

Elenie Richter, Chief Architect IDM & Organisationsdatenmanagement beim Energieversorger EnBW Energie Baden-Württenberg AG, ist sich sicher:  „Produkte oder Prozesse ohne IT gibt es fast nicht mehr. IT ist das Produkt, denn mit Strom können Sie kaum mehr Geld verdienen.“  Sie zeigte auf, wie das Unternehmen dank EAM in einem Multi-Cloud-Universum überlebt. Mit den on premise-Altsystemen würde man den neuen Anforderungen der digitalen Transformation nicht mehr gerecht. Für die schnelle Adaption aktueller Situationen, dauerhafte Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Skalierbarkeit sei die Nutzung von Cloud-Services unabdingbar. „Predictive Maintenance beispielsweise ist mit unseren on premise-Lösungen nicht machbar.“

Nun allerdings befindet sich das Unternehmen in einem Spannungsfeld: „Altsystem on premise trifft auf Cloud.“ Was das für den Enterprise-Architekten bedeutet: „Digitalisierung, IoT und Cloud spülen Modernisierungswellen rein, die eigentlich schneller sind als wir verdauen können.“ Es sei fast unmöglich, alles bis in Kleinste zu dokumentieren. „Wir müssen uns vielmehr auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Das zentrale Thema laut: Systemschnitt und geeignetes Teilen, Entkopplungen und die Abhängigkeiten in den Griff bekommen und unter Kontrolle haben.“

Dr. Johannes Helbig, Vorstandsvorsitzender des CBA Lab fasste die Themen der Konferenz noch einmal kurz zusammen: „EAM ist ein Dauerthema, denn Architekten wissen, wie die Dinge zusammenhängen. Doch alle Vortragenden haben bewiesen: Ihre Rolle hat sich in der digitalen Transformation geändert. Standen gestern Kosteneffizienz und Governance im Fokus, so sind es heute neue disruptive Technologien, Geschäftsmodelle und Kundenzentrierung.“ Dabei habe jedes Unternehmen sein eigenes Set von Anforderungen und von Veränderungstreibern, die schnelle Reaktionen erfordern. „Versandhändler müssen mit Amazon Schritt halten, Smart-Home-Gerätehersteller wie die BSH Hausgeräte GmbH wollen ihren Kunden Plattformen anbieten, auf denen die Produkte selbst zu Plattformen werden, und Kritis-Unternehmen benötigen Infrastrukturen, die überlebensfähig sein müssen.“  

Für sein Fazit der Veranstaltung zitierte Helbig einen Teilnehmer: „Er sagte, ´das war EAM für Erwachsene´.  Diese pointierte Aussage hat mich sehr gefreut, weil ich es als großes Lob für Qualität und Niveau der Inhalte und natürlich für unsere Teilnehmer betrachte.“ Dr. Karsten Schweichhart, ergänzte: „Es gab hier so viele interessante Impulse, dass jeder diese Konferenz bereichert verlässt.“

 

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Dr. Karsten Schweichhart
Vorstand Presse und Kommunikation

IoT treibt das Datenangebot, KI treibt die Datennachfrage. Wenn Daten der neue Rohstoff sind – dann gelten auch alle Dimensionen aus der Rohstoffverarbeitung: Wir müssen sie schürfen, wir können sie handeln und wir veredeln sie.